Rubik's Cube


Rubik's Cubes bzw. Zauberwürfel haben in der Mitte ein Achsenkreuz und darum herum drehbare Steine. Ältere werden sie kennen, in dern 80ern waren die sehr modern. Außerdem sind sie genau das richtige Spielzeug für Nerds. Rein mathematisch lässt sich nicht bestimmen, wie viele Züge maximal benötigt werden, um den Würfel von jeder beliebigen Situation aus zu lösen, das kann nur der Computer. Das Teil intuitiv lösen kann man praktisch vergessen - die ersten zwei Ebenen bekommt man noch hin, wenn man es nach der Methode von Lars Petrus macht sogar noch das Kreuz auf der dritten Ebene. Danach ist dann meist auch für Menschen mit einem ausgeprägten dreidimensionalem Vorstellungsvermögen Schluss.

Warum tut man es sich an, sowas zu lernen? Welchen Sinn hat das? Ich würde sagen, ein Stück weit ist das Messen mit den anderen, die es auch können, aber auch der Nerdtrieb, also verstehen wie das verdammte Ding funktioniert. Wenn ich den Würfel in der Bahn drehe, gaffen männliche Studenten recht auffällig und Frauen ab 35 fangen Gespräche mit mir an - so als häufigste Reaktion. Männer ergreifen eher selten das Wort, aber wenn, dann deutlich niveauvoller. Männer wollen verstehen, wie er funktioniert, warum man den so schnell drehen kann. Frauen hingegen fragen, wo man die noch kaufen kann und dass sie damals Stunden mit Lösungsheften verbracht haben. Nein, ich habe keine Vorurteile, das ist mir wirklich so passiert! ;)

Wo gibts die zu kaufen? In fast jedem Spielwarengeschäft und z.B. auch in Buchhandlungen, dem Karstadt und so weiter. Die Frage sollte besser heißen, welchen man kaufen soll. Ich hab mir aus Neugierde einen im Nanu-Nana gekauft für 2 Euro, dass sich das Biest überhaupt drehen lässt, grenzt schon fast an ein Wunder. Die Teile sind unterschiedlich groß und schief und stehen daher massiv unter Spannung. Ab und zu muss man ihn deshalb auf eine glatte Oberfläche drücken, um ihn wieder in einen drehbaren Zustand zu bringen. Die Aufkleber scheinen im ersten Moment aus Plastik zu sein, bestehen jedoch aus zwei Schichten, von denen die untere eine weiße Papierschicht ist. Die aufgeklebte Farbschicht begann sich schon am ersten Tag zu lösen, obwohl ich nicht viel gedreht habe. Pardon, drehen *konnte*. Die Plastikstücke sind massiv und man kommt so an keine Schrauben ran, um ihn lockerer oder fester einzustellen. Das Schmerzensgeld, was man für kaputte Handgelenke nach 2-3h drehen bekommen sollte, müsste bei weitem über 2 Euro betragen.
Also nichts für 2 Euro. Die nächste Kategorie sind die "Original Rubik's" von Jumbo. Das sind die, die man so gut wie überall kaufen kann. Von der Sorte habe ich mir einen 4x4x4-Cube gekauft. Die Aufkelber sind aus Papier, gehen aber nicht ganz so schnell ab. Damit er sich dreht möchte man eine ordentliche Portion Gleitgel (alias Silikonöl) reinkippen, dann passt das schon. Für den Anfang reicht sowas auf jeden Fall. Ein 4x4x4-Würfel ist toll, weil man mit dem einen 2x2x2-Würfel simulieren kann indem man die Mitten dreht und einen 3x3x3-Würfel, indem man die Ränder dreht.
Aufgemotzte 3x3x3-Würfel für 25 Euro aber auch Billig-Würfel oder komplizierteren Logik-Kram bekommt man auf Cubikon oder eBay.

Wie löse ich den schnell? Gaaanz viele Algorithmen auswendig lernen oder ein gutes 3D-Vorstellungsvermögen haben. Mir gefiel die Methode von Lars Petrus bisher am besten, weil das meiner Meinung nach total intuitiv und schnell geht. Ich hab mir nur angeschaut, welche Schritte er macht (ohne Algorithmen dazu), hab das auf der Klassenfahrt eine Weile ausprobiert und bin tatsächlich intuitiv bis zum Kreuz auf der obersten Ebene gekommen. Zuerst baut man einen 2x2x2-Würfel im 3x3x3-Würfel und erweitert den dann auf einen 2x2x3-Würfel und kippt die restlichen Kanten. Jetzt kann man immer noch zwei Ebenen drehen ohne irgendetwas kaputt zu machen, was sehr viel Bewegungsfreiheit lässt. Ein wenig Platzangst kommt erst auf, sobald man das alles auf einen 2x3x3-Würfel erweitert. Schafft man das, hat man sogar die ersten zwei Ebenen und das Kreuz auf der dritten Ebene. Allerdings habe ich diese Methode bisher keinem Anfänger vermitteln können. Bei den meisten tritt beim Würfel im Würfel eine Denkblockade auf, weil man auf mehr Farben gleichzeitig achten muss und nicht so stur Algorithmen auswendig lernen kann. Deswegen sollte man besser mit der Methode auf Kantenkreuz anfangen, obwohl die IMHO viel umständlicher ist. Aber gut, die meisten wollen ja nicht denken sondern schnell zum ersten Erfolgserlebnis kommen, dem selber gelösten Würfel... :-p

Am Ende bleibt wohl nur noch die Frage, ob es sich für den durchschnittlichen Nerd lohnt, von Studenten angegafft und von älteren Frauen sinnlos vollgelabert zu werden. Derartige Gespräche sind wohl eher nicht nerdkompatibel. Wenn man wie ich zweimal täglich 50 Minuten mit Warten auf die Bahn und Bahnfahren verbringt, ist das jedenfalls durchaus mal was anderes. Der Reiz am Würfel-Lösen scheint recht groß zu sein, ich hab den Cube Klassenkameraden gezeigt und inzwischen können ihn einige lösen und haben sich selber einen gekauft.