Halbes 1.0-Abi

3 Jahre Arbyte für ein 1.0-Abi klingen jetzt nicht so schlecht. Ein so gutes Abi wäre mir wohl am allgemeinbildenden Gymnasium schwerer gefallen. Allerdings muss man beachten, dass am technischen Gymi 90% Realschüler genommen werden müssen, also maximal 10% Gymnasiasten in einer Klasse sind. Das Unterrichtsniveau sinkt und die Abitur-Prüfungen fallen somit schwerer. Auch das sonstige Niveau sinkt. Denn die Realschüler sind mit dem Abi etwas überfordert und haben kaum Zeit für sonstige Aktivitäten - oder auch keine Lust.

Wir hatten keinen Abischerz, keinen Abiball, keine Abiparty, kein Abimotto, keine Abizeitung, Abigarnichts eben.
Niemand organisierte $Events, denn es wäre sowieso wieder an den selben hängen geblieben.
Computerkinder sind durchs Chatten quasi Legastheniker, also auch nicht in der Lage, eine Abizeitung zu machen.
Am traurigsten ist das Abimotto gewesen. Die Hälfte der Klasse war für "Ich hab Abitur du Hur!", der Rest konnte sich auf nichts besseres einigen. Die Huren-Fraktion bekam noch nicht mal T-Shirts auf die Reihe. Unter dem Rest fanden sich immerhin drei, bei denen ich dabei war, mit "Kaffee & Nusshörnchen"-Shirts, einem kleinen Insider. Die Huren-Fraktion bestätigt übrigens alle Vorurteile gegenüber Realschülern, die mal eben Abi machen, weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben *sfz*. Sie fühlen sich um Welten besser als die aus dem BVJ und zeigen das auch, obwohl sie mit ihrem Abitur eigentlich auch überfordert sind. (BVJ: Berufsvorbereitungsjahr, muss man machen, wenn man noch Schulpflicht hätte und nach der Hauptschule keinen Ausbildungsplatz bekommen hat.)

Unser Klassen- und Schulsprecher fragte mich mal, ob ich denn nicht 2. Klassensprecher werden wolle. Ich lehnte ab und schilderte ihm, wie ich mir die Arbeit in der SMV vorstelle aufgrund deren "Arbeitsergebnissen": Alle sitzen rum, die aus dem BVJ freuen sich, dass sie nicht in den Unterricht müssen, nerven aber nur; es werden Freiwillige für $Projekte gesucht und am Ende melden sich die selben wie immer. Diese Vermutung bestätigte er mir dann, wahrscheinlich lag ich damit noch näher an der Wahrheit, als ich dachte. Ich meldete mich trotzdem zur Wahl als 2. Klassenspecher, kündigte aber an, dass ich nicht zu SMV-Sitzungen gehen würde. Mich wählten dann sogar ein paar, was ich durchaus erstaunlich fand, allerdings gewann jemand anderes die Wahl. Der ging dann auch nie zu SMV-Sitzungen und setzte sich noch nicht mal für die Klasse ein (was ich gemacht hätte), nur hatte er es eben nicht vorher angekündigt...

Von meiner alten Schule kannte ich AGs, die wirklich Spaß machten. Damals[TM] war ich in der Mathe- und in der Spiele-AG und leitete die Schülerzeitung. Das alles gab es am technischen Gymnasium nicht mehr. Als dort eine neue AG "Religion und Internet" gegründet wurde, ging ich da mit viel Hoffnung hin. Religion war nur im Namen drin, damit die AG existieren konnte, kam aber kaum zur Sprache. Allerdings waren in dieser AG viele Schüler, die sich dadurch bei dem entsprechenden Lehrer in Religion bessere Noten erhofften ;-) Leider kollidierte die AG mit BK, sodass ich nur jedes 2. Mal teilnehmen konnte. Von Treffen zu Treffen kamen gefühlt weniger Schüler. Ich kam irgendwann dann auch nicht mehr, denn Rumgeklicke zum Erstellen von Flash-Applets hatte ich mir von der AG weniger erhofft...

Kurz gesagt: Meinen Noten hat das technische Gymi gut getan, Spaß hat es nicht gemacht.

Präsentationsprüfung in Computertechnik

Bei der Präsentationsprüfung hält man eine 10minütige Präsentation (darf nicht länger sein!) und bekommt danach 10 Minuten Fragen zur Präsentation und zum Fach gestellt.

Mein CT-Leerer hatte irgendwo gelesen, dass der Präsentation ein übergeordnetes Gewicht zu verleihen sei, und hat das fälschlicherweise so interpretiert, dass der Inhalt der Präsentation nicht zähle. Laut ihm war also wichtig, wie man steht, gestikuliert, ob die Folien hübsch sind, wie exakt man die 10 Minuten einhält und wie man dem externen Prüfer die Oberweite präsentiert :-D Letzteres könnte man zwar nach Gewicht beurteilen, sollte es jedoch nicht mit übergewertetem Gewicht beurteilen.

Da nur die Präsentation und nicht ihr Inhalt zählt, wurden wir also dazu angehalten, möglichst kleine Dinge zu präsentieren.
Daran hat sich nur der erste Schüler gehalten. Er bekam ein Datenbankthema, eine Bibliothek. Die setzte er dann mit ganzen 3 Tabellen um und machte, wahrscheinlich nur in der Theorie, SQL-Abfragen.
Der zweite Schüler hatte einen Chat-Server in Java programmiert.
Der dritte ein Billard, grafisch schön ansprechend für die Präsentation, und natürlich mit allen Regeln. Mathematisch auch interessant, wegen Beschleunigung und Winkeln.
Ich kam zuletzt und hatte das "Kaufhaus Kaufrausch", einen kleinen Onlineshop. Nichts perfektes, aber schön zum Zeigen und auch mit mehr Tabellen als bei meinem Datenbankvorgänger.

Was dann tatsächlich gezählt hat, war - zum Unglück des ersten, zum Glück der drei anderen - die Kompetenz und der Inhalt.
Weil dem externen Prüfer das Projekt des ersten zu klein geraten war, stellte er lustige Fragen nach Dingen, die wir im Unterricht so nicht gemacht hatten. Zum einen nach der Normalisierung bis zur 3. Normalform, die wir im Unterricht nur angekratzt hatten. Nachdem der Schüler dort keine ausreichende Antwort wusste, fragte er noch nach quasi der Umkehrung, den Anomalien. Der Begriff Anomalie fiel bei uns in Technik nie. Also Mega-Fail für den Prüfling, der mit 5 Punkten aus der Prüfung ging, aber mehr gebraucht hätte, und somit durchs Abi gefallen war.
Die anderen drei hatten tolle Projekte, konnten was zeigen, wussten auch halbwegs über ihr Thema Bescheid - und bekamen allesamt 15 Punkte.

Dazu sollte ich eventuell noch erwähnen, dass es die Präsentationsprüfung am allgemeinbildenden Gymnasium schon seit 2004 gibt, sie am technischen Gymnasium erst dieses Jahr eingeführt wurde. Jedenfalls bin ich froh darüber, mich nicht an die Ratschläge der Leerer zu dem Thema gehalten zu haben, denn die waren in etwa das Gegenteil von dem, was gefordert wurde.

Seminarkurs

Der Seminarkurs besteht aus 2 Halbjahren, in denen 3stündig Unterricht stattfindet. Weiterhin muss man eine Präsentation und eine schriftliche Ausarbeitung machen. Mit dem Seminarkurs kann man dann ein Prüfungsfach ersetzen. Jetzt kommt der Trick: Am allgemeinbildenden Gymnasium geht das nur mit dem 5. mündlichen Prüfungsfach, am technischen Gymnasium hingegen auch im 4. schriftlichen Prüfungsfach.

Am allgemeinbildenden Gymnasium würde ich eher vom Seminarkurs abraten. Das mündliche Abi ist bei weitem weniger Stress als der Seminarkurs. Am technischen Gymnasium hingegen ist der Seminarkurs perfekt. Die schriftlichen Prüfungen finden alle innerhalb einer Woche statt. Wenn man auf ein Fach weniger lernen muss, ist das eine unglaubliche Erleichterung.

Bei uns war die Vorgabe, dass der Seminarkurs im Profilfach Technik und einem Fach aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich gemacht werden muss, also Geschichte mit Gemeinschaftskunde, Religion oder Ethik. Wir hatten als Thema Zeit. Ich habe dafür eine Funkuhr in Assembler programmiert und etwas zur Geschichte von DCF77 und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zusammengetragen. Damit habe ich den größten Teil zum Seminarkurs beigetragen und 15 Punkte kassiert.

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